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                          Gottes Herrlichkeit

Was bist du also, frage ich, du mein Gott? Was anders als
Gott, der Herr? Denn ,wer ist Herr außer dem Herrn, oder
wer Gott außer unserm Gott?' Du Höchster, Bester,Mächt-
igster, Allermächtigster, Barmherzigster und Gerecht-
ester, Verborgenster und Gegenwärtigster, Schönster und
Stärkster, breit daste­hend und doch unbegreiflich, un-
wandelbar und doch alles ver­wandelnd, nie neu, nie alt,
aber alles erneuernd, ,hinwelken lassend die Hochmütigen,
und sie merken's nicht`, immer tä­tig, immer ruhig, sam-
melnd ohne zu bedürfen, tragend, fül­lend und schützend,
schaffend, nährend und vollendend, su­chend, wo nichts
dir fehlt Z. Du liebst und gerätst doch nicht in Wallung,
eiferst und bist doch gelassen, es reut dich und bist doch
unbekümmert, du zürnst und bleibst doch ruhig, änderst
wohl dein Verhalten, aber nie deinen Ratschluß, nimmst an
dich, was du findest, und hast's doch niemals ver­loren,
kennst keinen Mangel und freust dich doch des Ge­winns,
weißt nichts von Habgier und forderst doch Zinsen. Man
zahlt dir zurück mehr als man schuldete, damit du
Schuld­ner werdest, und hat doch nichts, was dir nicht
längst gehört. Du trägst Schulden ab und bist niemandem
schuldig, erlässest Schulden und wirst doch nicht ärmer'.
Aber was soll all dies mein Reden, Gott, mein Leben,
heilige Wonne meiner Seele? Kann denn ein Mensch
Worte finden, die deiner würdig wären? Aber wehe denen,
die von dir schweigen, wo doch die, deren Mund über-
fließt, wissen müssen, daß sie stumm sind!



                      




                            Gott, das Heil der Seele

Wer hilft mir, daß ich ruhe in dir? Wer hilft, daß du ein-   
kehrst in mein Herz und es trunken machst, daß ich
vergesse mein Elend und dich umfasse, mein einziges
Gut? Was bist du mir? Erbarme dich, daß ich's sagen
kann ! Was bin ich denn dir, daß du von mir Liebe ver-
langst, mir zürnst und mich bedrohst mit furchtbarem
Herzeleid, wenn ich sie versage? Ist's nicht Herze­leid
genug, dich nicht zu lieben? Weh mir Armen! 0 sag mir
um deiner Barmherzigkeit willen, Herr, mein Gott, was
du mir bist! Sprich zu meiner Seele: "Ich bin dein Heil."
Sprich so, daß ich's vernehmen kann. Sieh, vor dir,
Herr sind meines Herzens Ohren. Tu sie sie auf und
sprich zu meiner Seele: "Ich bin dein Heil". So will ich
dieser Stimme nachlaufen und dich ergreifen. Verbirg
dein Antlitz nicht vor mir. Laß mich sterben, daß ich
nicht sterbe, sondern es schaue.

Zu eng ist meiner Seele Haus, als daß du eingehen
möchtest bei ihr, mach du es weit. Zu baufällig ist es,
stell es wieder her. Es beleidigt deine Augen, ich geb'
es zu und weiß es wohl. Aber wer wird es säubern?
Zu wem außer dir könnte ich schreien? ‚Reinige mich,
Herr, von meinen verborgenen Feh­lern, und vor fremden
Fehlern bewahre deinen Knecht'. ,Ich glaube, darum
rede ich.' Du weißt es, Herr. Hab' ich nicht wi­der mich
selber Zeugnis abgelegt und ,meine Sünden bekannt,
und vergabst du nicht meines Herzens Bosheit'? Über
dein Urteil rechte ich nicht mit dir, der du die Wahrheit
bist. Ich will mich nicht täuschen und auf der Hut sein,
daß nicht ,das verkehrte Herz sich selbst betrüge`. Ich
rechte nicht mit dir über dein Urteil, denn ,wenn du,
Herr, Sünden zurechnest, wer wird bestehen`?

 

 
 
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