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      Von Rev. T.W. Sherphed


Im Schrifttum der Liberalkatholischen Kirche wird fest- f bestellt, daß die sieben historischen Sakramente gespendet werden. Es wird jedoch wenig weitere Information hinzuge- fügt, um klarzustellen, was man unter einem Sakrament zu verstehen hat. Zweifellos wurde damals, als darüber geschrieben wurde, die Allgemeinheit besser unterrichtet, doch viele Leute, die heutzutage zu uns kommen, haben keine klaren Begriffe über das Wesen der Sakramente. So erscheint es wünschenswert, kurz festzustellen, was man im kirchlichen Sinne unter dem Wort Sakrament versteht und was die all- gemeinübliche Erklärung der katholischen Kirche dafür ist.

Als Liberalkatholiken sollten wir damit vertraut sein, so daß wir verständnisvoll mit unseren anderen katholischen Brüdern diskutieren können, um auch anderen unseren Standpunkt zu erklären, die damit nicht vertraut sind. Wo die allgemeine Auffassung mit unserer nicht übereinstimmt, können wir die Gelegenheit ergreifen und sagen, was von den Liberalkatholiken davon gehalten wird, doch gleichzeitig behutsam darauf hinweisen, daß wir dahingehend keine Dogmen kennen und wir, wie in allen anderen Dingen, frei darüber sprechen können.

Kirchlich versteht man unter einem Sakrament bekanntlich ein äußeres Zeichen einer inneren Gnade, von Christus eingesetzt, um der Seele Lebensnahrung zu geben. In alten Zeiten wurde das Wort „Sakrament" auch dazu benützt, um etwa das Schwören eines Eides für eine eingegangene Verpflichtung auszudrücken, wie z. B. im militärischen Sinne es der Fahneneid ist. Das war die gewöhnliche, profane Auslegung.

Im kirchlichen Sinne jedoch bedeutet es eine geheiligte Sache, welche geheim und verborgen verwurzelt ist. Die Griechen gebrauchten hierzu das Wort „Mysterium", um es auszudrücken.

Der ganze katholische Teil der Kirche hält daran fest, daß für ein Sakrament drei Komponenten notwendig sind:

1. ein äußeres, sichtbares Zeichen;
2. eine göttliche Einsetzung durch den Herrn;
3. das sichtbare Zeichen muß die Kraft haben, die vom Herrn versprochene Gnade zu vermitteln.

Hinsichtlich des äußeren Zeichens muß es, sinnlich wahrnehmbar, doch andeutungsweise noch mehr enthalten. So wurde früher z. B. der am Firmament sichtbare Regenbogen nach einem Regen als sichtbares Zeichen eines dem Noah von Gott gegebenes Versprechen gedeutet, daß er keine Fluten mehr aussenden würde, um alles Fleisch zu vernichten. Und so betrachteten Katholiken den Regenbogen unter anderem als ein Sakrament des alten Gesetzesbundes und die von Christus eingesetzten Sakramente als die des Neuen Testamentes. Das sichtbare Zeichen ist das. was gesehen
und die Worte, die dabei gesprochen werden wie z. B. in Taufe die Worte „Ich taufe dich ..." Und das ausgegossene Wasser bedeutet die Reinigung von der Erbsünde. Darüber haben wir Liberalkatholiken eine andere Ansicht, was die Erbsünde betrifft, als sie unsere mehr „orthodoxen" Brüder im allgemeinen haben, doch was immer die Auffassung auch sei, die Taufe bedeutet einen Reinigungsvorgang.

Es wird weiters daran festgehalten, daß in der Kirche Christi die Sakramente von ihm eingesetzt wurden. Es ist ein Dogma in der römisch-katholischen Kirche, daß Christus sie entweder während seiner Erdenzeit vor seinem Tode eingesetzt hat oder nach seiner Auferstehung. Die Kirche Roms setzt fort, daß sie „unmittelbar" von ihm eingesetzt wurden und nicht, wie einige der frühen Kirchenväter lehrten, daß er den Aposteln die Autorität verlieh, sie einzusetzen, nachdem er aufgestiegen war. An diesem Punkt ist viel Spielraum für ein weiteres Denken für die Mitglieder unserer Kirche gelassen. Bischof Wegdwood empfand, daß das Sakrament der Buße, so wie es uns überkommen ist, keineswegs das war, was der Herr beabsichtigte, und diese Ansicht schien er mit Bischof Leadbeater geteilt zu haben, was auch in unserer Liturgie in Betracht gezogen wurde. Die Kirche Roms gibt zu, daß die „unmittelbare Einsetzung" nicht immer eine Glaubensangelegenheit war, daß aber seit dem Trientischen Konzil es zu einem Dogma wurde. Bischof Leadbeater meint, daß die Hauptmerkmale den Aposteln vorn Herrn eingeprägt wurden, daß aber kleine Veränderungen im einzelnen geschehen sind, die eine völlig andere Auslegung oder Erinnerung bei den Aposteln ausgelöst haben, oder bei deren frühen Nachfolgern und daß auch örtliche Bedingungen und Umstände mitgewirkt haben mögen. So sind beide Auffassungen innerhalb bestimmter Grenzen richtig.

Das dritte Erfordernis ist, daß die Verrichtung die Kraft besitzen muß, die Gnade Christi zu vermitteln. Das Sakrament muß ein Stromweg für die Liebe Christi sein. Viele Zeremonien sind schön und erhebend, aber es folgt daraus noch nicht, daß sie auch einen besonderen Einfluß auf die Seele ausüben oder ein besonders gewähltes Mittel sind, die Gnade Christi zu vermitteln. Der Grund dafür ist der, daß die Sakramente es bewirken sollten nach dem Willen des Herrn. Sie wurden eingesetzt, um präzise diesen Gnadenstrom auszulösen. Sie sind die wirkungsvollen Zeichen dafür. Die Sakramente enthalten Gnaden und bewirken unmittelbar ihre Erzeugung im Individuum.

Es wird oft die Frage gestellt: „Wie können diese materiellen Dinge in der Seele eine übernatürliche Wandlung bewirken?" Die Antwort ist wirklich ganz einfach – denn Gott ist der hauptsächlich Handelnde in diesem Umwandlungs-prozeß und kann so sein Geschöpf erneuern, gerade so wie ein Künstler mit seinem Pinsel auf seiner Leinwand das schönste t Gedankenbild entwerfen kann.

Diese drei Erfordernisse können mit den bekannten drei Prinzipien des Willens, der Weisheit und der Tätigkeit in Verbindung gebracht werden. Die göttliche Einrichtung dem Willen entsprechend, die Wirksamkeit des Stromweges dem Liebe – Weisheit und das sichtbare Zeichen des Wirkens zur Tat.

Die Zahl der Sakramente Christi sind sieben an der Zahl. Es sind dies die Taufe, die Firmung, die heilige Eucharistie, das Bußsakrament, die heilige Ölung, die heiligen Weihen und das Sakrament der Ehe. Es ist beabsichtigt, darüber später im einzelnen zu schreiben.

(Fortsetzung folgt)


aus der Zeitschrift "Die Kirche", 27. Jahrgang, Ausgabe März 1981

 
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