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      Von Julius Fleischhandl


Wir feiern in unserer Kirche zusammen mit den Katholiken das Fronleichnams-fest, im Gedenken an die Gegenwart des Christuslebens im allerheiligsten Sakrament des Altares. Es wurde im Jahre 1264 von dem damaligen Papst Urban VIII. auf den ersten Donnerstag nach dem Pfingstfest festgesetzt und steht in Verbindung mit dem Gründonnerstag. Da jedoch dort gewissermaßen der Schatten des Karfreitags darauf fällt und dadurch die große Freude der Allgegenwart des Göttlichen in allen Geschöpfen und dadurch auch in der konsekrierten Hostie keinen vollen Ausdruck finden könnte, wurde dieses Fronleichnamsfest eingesetzt.

Es paßt so recht in diese vorsommerliche neu alles blüht, die weiße hostiengleiche Erdbeerblüte sich zur roten Erdbeere verwandelt, wie Blutstropfen der gütigen Mutter Erde, die sie uns mit ihrer Süße zur Labung darbietet. Schon in jungen Jahren war sie mir ein Sinnbild der Fleischwerdung des Logos, und immer noch genieße ich sie mit Andacht, wie auch die Hostie in der Kommunion und den Saft der Traube aus dem geweihten Kelch.

Wir finden in früheren Beiträgen unseres Diözesanblattes immer wieder Hinweise auf unsere Überzeugung, daß in der Wandlung während der heiligen Messe die Transsubstantiation tatsächlich erfolgt. Bischof  L e a d b e a t e r bemühte sich, vermöge seiner Hellsichtigkeit, diesen geheimnisvollen Vor-
gang der Erweckung des schlummernden Lebens in der unscheinbaren Substanz der Oblatte oder des geweihten Brotes zu strahlendem Christusleben zu erklären, den der Priester als Werkzeug des zu Beginn der heiligen Messe angerufenen Engels bewirkt. Äußerlich verändert sich in diesen Gewebszellen des verwendeten Weizenmehles nichts. Kein Chemiker könnte einen Unterschied in der Hostie vor und nach der Wandlung feststellen – und doch, welch gewaltiger Unterschied!  L e a d b e a t e r  beschreibt in seinem Buch „The inner side of Christian Festivals" dies und erklärt die Transsubstan-tiation in der Deutung des Wortes Substanz. Es sei das, was hinter der äußeren Gegenständlichkeit verborgen ist, sozusagen die feinstoffliche Natur der Hostie, die verwandelt wird, indem das ruhende göttliche Leben zu sonnengleicher Strahlkraft aufblitzt, wenn der Priester die Worte spricht: „Dies ist mein Leib." Es wurde sozusagen ein Stromweg bereitet, durch den das Leben Christi herabströmt, etwa so, wie ein Lichtstrahl sich in Richard Wagners „Parsifal" herniedersenkt und den Gralskelch erglühen läßt. So ähnlich erlebte es Bischof Leadbeater in einer kleinen Kirche irgendwo in Italien, schreibt er, was ihn dann veranlaßte, das Buch „Die Wissenschaft der Sakramente" zu schreiben. So wie er, haben auch viele u. andere Sehende dies erlebt. 

So verfaßte auch unser Gründerbischof James Ingall W e d g w o o d sein Buch „Die Gegenwart Christi in der heidligen Kommunion". Die hl. Hildegard von Bingen beschrieb ebenfalls dieses Lichterlebnis. Wer etwas sensitiv ist, empfindet die ungeheure Segenskraft, die eine konsekrierte Hostie ausstrahlt, welche für geschulte Hellseher ein Lichterlebnis bildet. Diese Transsubstan-tiation, an die heute, kaum mehr die anderen christlichen Kirchen glauben, und die die heilige Messe nur mehr als Erinnerung an das Abendmahl Christi feiern, ist für jene, die Augen haben es a zu sehen, eine große Wirklichkeit.
Dies verstehen manchmal sogar auch Mitglieder unserer v Kirche nicht und bleiben den Gottesdiensten fern. Sie berufen sich dabei auf Aussprüche, daß sich der nach Vergeistigung strebende Mensch von Zeremonien frei machen müsse, eine Forderung, die erst für hohe Stufen der Einweihungsmysterien gestellt wurde, und wissen gar nicht, welch großen Gnadenströmen der Christuskraft sie sich dadurch verschließen. Bischof Leadbeater führt uns vier Gründe für die Feier der heiligen Eucharistie an, besonders in dem Kapitel „Corpus Christi" in dem obengenannten Buch. Er schreibt:

1. Sie ist ein Symbol, das uns an den Abstieg der zweiten göttlichen Person der Heiligen Dreifaltigkeit in die Materie und an das Opfer des Christus erinnert.
2. Ein stets bereites Mittel des Dankes und der Verehrung.
3. Ein Stromweg zur Hilfe und Stimulierung für die im Gottesdienst anwesenden Mitglieder, besonders wenn sie kommunizieren.
4. Eine Gelegenheit, für das Göttliche zu wirken und für die Welt.

Über den letzten Punkt schreibt er weiter: „Dieser letzte Aspekt wird oft wenig verstanden, und so will ich ihn besonders betonen." Nachdem er sich zuerst über die vielen Auseinandersetzungen wegen dieses Mysteriums der Inkarnation Christi geäußert, erklärt er, was sich in den unsichtbaren Bereichen vollzieht. Er führt aus:

„Diese heilige Hostie, die in Wahrheit eine Manifestation Christi ist, strahlt in alle Richtungen wie eine Sonne. Wenn wir sie in uns aufnehmen, wirkt diese riesige Strahlung spiritueller Kraft in uns. Sie durchstrahlt unser ganzes Wesen, nicht nur unseren physischen Körper, sondern unsere höheren Seelenbereiche, und sie strahlt durch uns auf jene, die in unserer Nähe sind. Wir sind für einige Stunden nach der Kommunion selbst wie spirituelle Sonnen. Laßt uns das nie vergessen, daß wir uns stets dieser Gnade bewußt sind, und daß wir nichts tun, was diesem Christus, den wir in uns tragen, nicht würdig sei. Denn es sind wahrlich jene, die kommuniziert haben, ,Christofer', so wie Sankt Christopher das Christuskind trug. Wir sind Träger des Christuslebens, und laßt uns rein sein.

Wenn wir dieses Wunderbare in uns tragen, wirkt dessen mächtige Strahlung in uns. Wir haben unsere eigenen Schwingungsbereiche in unserem physischen Körper, unserem seelischen Bereich und unsere Werkzeuge des Verstandes, die alle ihre Schwingungsraten haben. Durch dies Einverleibung des allerheiligsten Sakramentes erhalten aber eine viel höhere Schwingung und Strahlung, die auf uns weiter einwirken." Es hängt von unserer Einstellung ab, wie wir diese Kommunion erleben. Laßt uns dessen immer eingedenk sein. Amen.


aus der Zeitschrift "Die Kirche", 29. Jahrgang, Ausgabe Juni. 1983

 
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