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Der Nährstand ist in gewisser Hinsicht der wichtigste Stand, denn ohne ihn sind die anderen Stände nicht möglich, aber er kann zur Not auch ohne sie bestehen. Die anderen Stände wachsen aus ihm hervor. Wie in den germanischen, slawischen und keltischen Stämmen das Bauerntum, so ist auch der Nährstand insgesamt wehrhaft und lehrend. Durch die sich arbeitsteilig entwickelnde Gesellschaft entstanden aus dem einen Stand dem alle Menschen angehören das Lehr- und das Wehramt. Diese beiden notwendigen Ämter wurden an berufene Seelen abgegeben, die daraus dann die zugehörigen Stände formten. Lehrstand und Wehrstand erhalten also ihre Legitimität vom Nährstand. Die Legitimität kann dem Lehr-und Wehrstand bei etwaigen Versagen auch wieder vom Nährstand entzogen werden.

Während für den Lehrstand die Form der Gemeinschaft die Hochschule bzw. Universität, für den Wehrstand die Hochorganisation der Ritterorden ist, so hat auch der Nährstand zwei wichtige Gemeinschaftsformen: die auf dem Bauerntum (Hof) und die auf dem Handwerk beruhende Form (Bauhütte, Berghütte). Sowohl hinsichtlich der Höfe und Hütten gibt es jeweils eine eigene esoterische Symbolik, welche diesen Stand zur Intiation führen kann.Viele Gleichnisse dieser Symbolkreise sind in die Kultur eingeflossen, und in leicht verflachter Form Teil des allgemeinen Wissens geworden. So gibt es aus dem Bauertum kommende Symbole der Aussaat und Ernte oder des Handwerks z.B. in den Gleichnissen vom unbehauenen Stein, vom ungehobelten Menschen, oder auch vom edlen Stein der aus den Tiefen heraufgeholt, und von dem rohen, unedlen Stein vorsichtig befreit werden muss, damit das Licht der Sonne in ihm aufstrahlen kann.

Der Nährstand ist der eigentliche Erbauer des Reiches Gottes, der Wehrstand der Verteidiger, der Lehrstand der Erkenner und die wissenschaftliche Gesamtleiter. Während zum Bauerntum das erfassen der gesamten Natur, ihrer Gesetze und der in ihr wirkenden Wesen gehört, so bringt das Handwerk als seinen höchsten Typus den Künstler hervor, dessen Werk, göttliche Inspiration, meisterliches, unnachahmliches Können und soziale Verantwortung gegenüber allen Menschen offenbart. Ein moderner hoher Typus des Nährstandes ist der Ingenieur, der wissenschaftliche Organisator von Produktion, der bereits in den Lehrstand hineinragt. Die traditionelle Hierarchie des Nährstandes besteht aus Lehrling, Geselle, Meister - Bezeichnungen die besonders in den Mysterienbünden der Bauhütten gepflegt wurden, die heute in der lebendigen Tradition der Freimaurerei weitergeführt werden. Die unteren drei Grade der Freimaurerei (blaue Grade) sind daher die Initiationsströmung schlechthin, die einzige, die wirklich über die Jahrhunderte hin erhalten blieb, und für die Angehörigen aller Stände sinnvoll, aber nicht irgendwie verpflichtend ist, da der Weg zur Initiation auf vollkommen freien Willen und eigener Anstrengung beruht.

Zum Nährstand gehören nur die dem Guten bzw. gottgeweihten Menschen. Alle Menschen, die nicht auf das Gute sich bewusst ausrichten, gehören zu keinem der Stände, egal welche Tätigkeit sie in der Welt ausführen, wobei die sogenannte Gottweihe immer Selbstweihe ist, die keiner äußeren rituellen Form durch eine Gemeinschaft bedarf, aber feierlich von ihr bestätigt werden kann. Im Hinduismus entfaltete sich aus dem Nährstand ein weiterer Typus - derjenige der Kaufleute und Geldbeschaffer (Banker). Dieser zusätzliche Stand ist künstlich erzeugt, und ist, wenn zum Wirtschaftswesen gehörig, Nährstand; wenn zum Wesen staatlicher Verwaltung gehörig, Wehrstand.



   
                                                                                              


















 
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